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Der Lockdown zeigt erste Wirkung

Seit dem 16. Dezember 2020 gelten in Deutschland wieder strengere Regeln zur Kontaktbeschränkung und dem Infektionsschutz vor COVID-19. Unter anderem muss der Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe (von einigen Ausnahmen abgesehen) geschlossen bleiben. Wie wirken sich diese Maßnahmen tatsächlich vor Ort aus? Hier können die Aktivitätsdaten von EveryoneCounts Licht ins Dunkel bringen.

Seit März sammeln wir Kennzahlen zur Aktivität in deutschen Innenstädten auf der „Open Acitivity Data Platform“ EveryoneCounts. Dazu zählen unterem anderem Daten zum Passantenaufkommen. Diese werden über Laserscanner automatisch erhoben und uns von unserem Partner Hystreet zur Verfügung gestellt. Dieser Datensatz erlaubt es uns, Fragen zu beatworten wie: Wie hat sich das Passantenaufkommen in den zehn größten Städten Deutschlands in den letzten Tagen entwickelt?

Zeitlich Entwicklung der gezählten Passanten in den Innenstädten der zehn größten Städte Deutschlands, normiert auf den jeweiligen Maximalwert.

In der Grafik erkennt man deutlich den ganz normalen Wochenrhythmus, mit einem Tiefpunkt an Aktivität an Sonntagen, wenn die Läden geschlossen haben. Seit dem Beginn des Lockdowns am 16. Dezember (gestrichelte Linie) sind aber dauerhaft weniger Menschen unterwegs, in etwas so viele wie an einem typischen Sonntag. Der Lockdown zeigt hier seine Wirkung. Eine Besonderheit zeigt sich hier bei Leipzig: Da in Sachsen die Maßnahmen bereits zum 14. Dezember verschärft wurden, beginnt bei Leipzig die Phase geringen Passantenaufkommens bereits zwei Tage früher als in den anderen Städten.

Entwicklung der gezählten Passanten in den Innenstädten von 60 deutschen Großstädten, aufgeschlüsselt nach Bundesland. Verglichen wird KW50 und K51. Der Lockdown begann am 16.12.2020, also am Mittwoch von KW51.

Da wir Daten aus 60 Städten vorliegen haben, können wir die Entwicklung auch auf Bundesland-Ebene darstellen. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um eine Aussage über die Aktivität im gesamten Bundesland, sondern lediglich über das Passantenaufkommen in ausgesuchten Innenstädten.

Hier werden die durchschnittlichen Passantenzahlen der einzelnen Wochentage von Kalenderwoche 50 (vor dem Lockdown) mit KW51 verglichen. Dabei bedeutet ein Wert über 1, dass in KW51 mehr Menschen gezählt wurden als in KW50. Man erkennt deutlich, dass mit Beginn des Lockdowns am Mittwoch, die Aktivität im Vergleich zur Vorwoche auf ein Niveau von 25-50% absinkt. Der Lockdown führt wie gewünscht dazu, dass sich weniger Menschen in den Innenstädten zu aufhalten.

Man erkennt aber auch einen weiteren Trend in nahezu allen Bundesländern: An den zwei Tagen kurz vor Verschärfung der Maßnahmen (Montag und Dienstag) waren deutlich mehr Menschen unterwegs, im Schnitt etwa 40% mehr als in der Vorwoche! Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass viele Menschen noch letzte Weihnachts-Einkäufe tätigen wollten und sich durch den kurz vorher angekündigten Lockdown genötigt sahen, diese in den einzig verbleibenden Tage zu erledigen. Diese Anhäufung von Menschen war sicher nicht im Sinne der Maßnahmen und des Infektionsschutzes. Eine Ausnahme von dieser Zunahme bildet erneut Sachsen, da hier beriets am 14.12. die Maßnahmen verschärft wurden.

Unsere Daten zeigen erste Auswirkungen des Dezember-Lockdowns auf die Innenstädte. Ob die Maßnahmen schlussendlich ihr Ziel erreichen, wird erst die Entwicklung der COVID-19-Infektionszahlen zeigen.